Schaf Blog

vom Alltag eines Moorschnucken Schafhalters

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  • Seminar mit Anita Hermes

    11. Oktober 2008bis12. Oktober 2008

    Am 11. und 12. Oktober gehen Jane und ich wieder einmal zu einem Seminar. Diesmal mit Anita Hermes. Ihre Art zu trainieren, hat mir bei Erin bereits einmal einen “Durchbruch” gebracht. Jane möchte ich auf dieselbe Weise trainieren. Ein paar Grundsatzfragen habe ich bereits schon gesammelt und wir werden bestimmt Fortschritte erzielen, viel zu berichten haben und Fotos mitbringen.

    alles auf einmal

    Die ruhigen Schafhaltertage wurden wieder mal abgelöst.

    Angefangen hatte es damit, das Mändy sich zwischen der Klaue verletzt hatte. Die Klaue schwoll natürlich an. Nach zwei Tagen Behandlung sah das Ganze aber wieder gut aus. Sie humpelte nicht und die Schwellung ging zurück. Dennoch wollte ich sie am Freitag mit zwei anderen willkürlich ausgesuchten Schafen, lieber mit dem Auto zur neuen Weide transportieren. Nachdem ich sie gefangen hatte, sah ich die Bescherung. Oberhalb des Kronsaumes hatte sich eine Tasche gebildet, die bereits überreif aussah. Noch im Auto entfernte ich deren Inhalt und wusch die Wunde aus. Die ursprüngliche Verletzung zwischen den Klauen ist mittlerweile ausgeheilt. Ich hoffe, die Wundheilung setzt sich nun oberhalb des Kronsaumes ebenfalls fort.

    Samstag morgens um fünf klingelte dann der Wecker. Gegen 5.45 Uhr war es dann hell genug. Ich machte mich mit Erin auf die Socken. Die Rehe waren von mir “Störenfried” garnicht begeistert. Die Schafe dagegen schienen zu wissen, das es jetzt wieder auf eine frische Weide geht. Bereitwillig verliesen sie mit mir die Wiese.
    Erin dagegen schien von der Tatsache, das sie ganz allein hinter den Schafen ist und wir auf unbekanntem Gelände unterwegs, verunsichert zu sein, was sich in einem permanent hochfrequenten Quietschen äußerte. Sie trieb die Schafe zwar sauber nach und wählte entlang der Straße ihren Druckpunkt so genial, das wir - wie sich das für Fußgänger gehört - allesamt schön auf dem Fußweg unterwegs waren. Sie verweigerte das “lie down” fast vollständig und regulierte lieber selbstständig ihr Tempo. Ich finde, wir hatten trotzdem Glück, das die Schafe ihr den geringen Abstand nicht übel nahmen.
    Die Insassen des einzigen Autos das wir trafen, staunten nicht schlecht, denn wir hatten die Schafgruppe rechtzeitig auf einem Firmenparkplatz neben der Straße “geparkt”, bis der PKW vorbei war.
    Nach Überquerung des Kreisels, selbstverständlich auch im Fußgängerbereich :) waren wir dann auch schon im Industriegebiet angekommen. Ich ging nun mit Erin hinter den Schafen, da ich sicher war, das Sonntags um sechs Uhr morgens niemand zur Arbeit fahren wird. :D
    Erin beruhigte sich nun schnell wieder. Das Quietschen hörte auf. Mittlerweile kannte sie das Gelände, schließlich stehen die Schafe nun hinter unserem Firmengebäude und haben jetzt zwar nicht den tollsten Aufwuchs, freuen sich aber über Brombeeren und Hagebutten.

    Gastuser

    Seit zwei Tagen wohnen in unserem Garten Adam und Eva, zwei Indische Laufenten. Adam ist der weiße Erbel, Eva die wildfarbene Lady an seiner Seite. Sie sind sozusagen nur “zu Gast” denn in wenigen Tagen ziehen sie in ihr endgültiges zuhause. Schade, die beiden fingen an, die Oberhand bei unseren Katzen zu gewinnen, “das Regiment” im Garten zu übernehmen und fanden immer mehr Gefallen an unserem Pool. Sehr zum Leidwesen des weltbesten Ehemannes. ;) Ich hoffe, sie haben sich ordentlich an unseren - leider reichlich vorhandenen - Nacktschnecken gesättigt und wünsche den beiden ein ähnlich schneckenreiches Heim.

    Training und Umtriebe

    Die Trainingseinheiten der Hunde gehen nach wie vor.
    Zwei- bis dreimal pro Woche darf Klein-Jane an die Schafe. Kleine, flitzige Gruppen liegen ihr. Da blüht der kleine Pimpf auf. Also trainiere ich sie vorzugsweise an der ganzen Gruppe. Die sind etwas ruhiger und müssen mit mehr Druck bewegt werden. Dafür nehmen Sie Schnitzer beim flankieren nicht so übel. :)
    Mittlerweile stellen sich doch einige Unterschiede zu Erin heraus. Während Erin lieber aufhört zu arbeiten, als tot umzufallen, fällt Jane lieber tot um, als aufzuhören mit der Arbeit. Janes Paradedisziplin sind Gruppen von weniger als fünf Schafen. Ihre Reaktion und Feeling für diese hochkitzeligen Schafe ist unglaublich. An ihrem Selbstbewußtsein muß ich, im Gegensatz zu Erin, nichts trainieren. Meine Befürchtung, das dieser kleine Hund, meinen stehenden, stampfenden Schnucken nicht die Stirn bietet ist unbegründet. Schön als Gruppe und sich letztendlich doch in die gewünschte Richtung drehend, balanciert diese kleine Traumtänzerin die Schnucken über meine Wiese.

    Erins Training habe ich umgestellt. Ich malträtiere sie nicht mehr mit Trialsequenzen. Dieser Hund sieht keinen Sinn in Aufgaben ohne Hintergrund und kommt mit der Vielzahl an Kommandos in kurzer Zeit nicht recht klar. Also darf sie das tun, was sie am Besten kann. Tägliche, kleine Arbeiten und Hilfshund sein.
    Sie darf mir die Schafe zuhalten, wenn ich eines rausfangen muß. Sie ist unentbehrlich beim Umtreiben. Sie darf die Schafe vom Zaun oder aus den Ecken puhlen, sie treibt mir einzelne Tiere ins Ruheeck und sie darf ein Auge auf diejenigen haben, die sich als non Teamplayer outen, wenn Klein-Jane trainiert wird. Alles Arbeiten, die ohne viel Worte funktionieren und “Sinn” haben. Das macht ihr Freude, darin blüht dieser Hund auf und so werde ich es eben belassen.
    Dieses Wochenende werde ich den Trupp erstmals mit ihr allein umtreiben. Nur für eine kurze Strecke, dafür fast nur die Straße entlang. Wir werden sehen, ob es funktioniert.

    erster Umtrieb

    Unser erster Umtrieb zu Fuß war routiniert und irgendwie “unspektakulär”. Gestern noch habe ich die Moorschnucken “probeweiße” aus der Koppel geholt um mit ihnen zu einer umgestürzten Weide in der Nähe zu laufen. Die Schafe fressen die Blätter sehr gerne. Das ganze verlief ruhig und gesittet ab und ich machte mir daher für heute morgen weniger Sorgen.

    In aller Herrgottsfrühe kurz nach 5 Uhr stand Anika und die kleine Pepper dann pünktlich vor der Tür und los ging es. Anfangs kam den Mädels der kleine rote Hund etwas verdächtig vor, aber Pepper meisterte das ganz toll. Wenn die Anika nur nicht ständig “lie down”, “lie down” rufen würde! :D

    Pepper und Erin ergänzten sich wunderbar, obwohl sie noch nie zuvor zusammen gearbeitet hatten. Die beiden hatten die Situation wirklich immer im Griff. Erin machte ihren Job als “Bremse” vorn sehr gut. Hin und wieder bewies sie den Schnucken durch bloßes Stehenbleiben aber “das die nicht denken sollen, sie laufe etwa weg”. :)

    Zwar ist um diese frühe Zeit kaum jemand unterwegs, trotzdem stiesen wir auf einen netten Radfahrer, der viel Zeit hatte und auf der kurzen Strecke, die wir auf der Straße zurücklegten ruhig und langsam hinter uns her fuhr. Die beiden Autofahrer die uns begegneten waren zwar um einiges schneller unterwegs, aber Pepper hatte die Moorschnucken rechtzeitig auf dem Grünstreifen “geparkt”.

    Mein letztes “Bauchwehobjekt” die Straßenunterführung passierten die Moorschnucken mit flinken Klauen um sich dann sogleich dem frischen Aufwuchs der Heuwiesen zu widmen. Dieser Teil der Strecke war bei weitem der schönste. Aufsteigender Nebel, erste warme Sonnenstrahlen, Rehe und Störche begleiteten uns auf den letzten Metern bis zur neuen Weide.

    Vielen Dank an Anika und ihre kleine Pepper! :)

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